MAX KOFFLER in KOREA
14.2.-25.2.2008 

Eine Art Tagebuch


Donnerstag, 14.2.2008

Nach knapp 12 Stunden komfortablem Flug mit Korean Air landen wir um ca. 14 Uhr Ortszeit in Incheon bei Seoul.
Mihyuns Bruder Sungkyu Son holt uns zusammen mit einem Freund ab. Die Sonne scheint, allerdings ist es kälter als in Deutschland, so um die Null Grad.
Nachdem wir am Insadong, einer sehr bekannten Fußgängerzone/Kunststraße mit etlichen Galerien und Geschäften, unser Motel bezogen haben, lädt uns Hong-Seok Kang, ein koreanischer Künstler und Designer, der bereits einmal in der galerie son in Berlin ausgestellte, zum traditionellen Essen und Teetrinken ein.


Freitag, 15.2.2008

Während Mihyun mit Bildern von Künstlern der galerie son die Galerie gana aufsucht, gehen wir zum Nakwon Market, um für Stephan ein Rhodes auszuleihen. Wir bekommen zwar kein Rhodes, dafür aber kostenlos als Sponsoring ein Clavia nordelectro2 Stage Piano ausgeliehen.
Am Abend spielen wir ein kleines Konzert als Warm-Up im Club Jammer’s, das von den anwesenden Gäste frenetisch bejubelt wird.


Samstag, 16.2.2008

Während die Band frühstücken geht, fahren Miyhun und ich zum Flughafen, um Guido abzuholen. Dort treffen wir auch Hong-Seok, der uns alle in die Stadt fährt.
Die anderen fahren schon zum Soundcheck in der Rolling Hall vor, zu dem ich etwas später nach dem Mittagessen hinzukomme. Der Saal sieht klasse aus, der Sound ist auch vorzüglich. Nach der Vorband gehen wir um ca. 20 Uhr auf die Bühne. Die Musik kommt bei den Anwesenden sehr gut an, sie tanzen und klatschen mit.
Zwei Mitarbeiter des Kulturministeriums der GyeongGi-Do-Provinz sind gekommen, ebenso der Chef der Plattenfirma Open music und sein Mitarbeiter, mit denen Guido ein erstes Gespräch über mögliche Kooperationen führt.


Sonntag, 17.2.2008

Am Abend spielen wir ein spontanes Konzert im FF Club im Partybezirk Hongdae anlässlich des 4jährigen Bestehens des Ladens. Es läuft grandios. Die zahlreichen Gäste reagieren enthusiastisch auf uns, bei „colors“ singen alle laut „Yea Yea Yea“ mit und bei „ani beolsseo“ tanzt der ganze Club.
Auch Guido ist zufrieden.
Nach einem köstlichen Dinner in einem Restaurant in der Nähe gebe ich ein Interview für das Internetmagazin indiestory, und wir werden vom Chef des FF eingeladen, am kommenden Freitag noch einmal dort zu spielen, da der Manager des Clubs äußerst angetan von unserem Gig war.
Wir sagen natürlich zu.


Montag, 18.2.2008

Früh fahren wir zum Gebäude von MBC, der größten privaten TV- und Radioanstalt Koreas, wo heute mit uns die Radiosendung „Bae Chul Su’s Music Camp“ aufgezeichnet wird.
Die Einladung ist etwas sehr besonderes und eine große Ehre, schliesslich ist „Music Camp“ eine der beliebtesten Radiosendungen des Landes und Bae Chul Su ein hochangesehener TV- und Radiomoderator, der vor Jahren selbst als Musiker große Erfolge feierte.
Kurz vor Aufzeichnung der Sendung kommt Philipp Oehmke dazu, der uns auf der weiteren Reise begleiten wird, um über meinen „Aufstieg zum Superstar in Korea“ für den Spiegel exklusiv zu berichten. In der Sendung spielen wir insgesamt sieben Lieder live, darunter 6 eigene plus “ani beolsseo“, ein koreanischer Nummer-1-Hit aus den 70ern von der Band Sanullim, den ich vor vier Jahren bei meiner ersten Koreareise auch schon spielte, und mit dem ich in den Video-Charts von Koreas größten Blogseiten Ende 2006 den ersten Platz erreichte.
Die Aufzeichung dauert etwas mehr als eine Stunde und besteht aus Interviewpassagen, bei denen Mihyun gekonnt dolmetscht, und Live-Einspielungen der Songs.
Wir meistern die Aufgabe einwandfrei.

Am selben Abend wird die Sendung ausgestrahlt, wir hören sie uns via Internet-Live-Stream an und dürfen feststellen, dass die Hörer im Chat begeistert auf uns reagieren.


Dienstag, 19.2.2008

Am Morgen habe ich im Starbuck’s im Sumerset Hotel ein erstes Interview mit der Tageszeitung  Korean Herald Business, dem ein kurzes Fotoshooting vorausgeht.
Ich erzähle von meiner ersten Begegnung mit koreanischer Popmusik, über mein Debüt-Album „taboo“ und den weiteren Plänen auf unserer Reise. Der Redakteur stellt sich als ein großer Liebhaber guter Musik heraus, kommt auch ins Gespräch mit Philipp, zeigt sich begeistert von meiner Musik und meinen Auftritten mit den koreanischen Liedern, deren Videoaufnahmen er im Internet gesehen hat, und ist überzeugt, dass meine Musik und ich in Korea sehr erfolgreich sein können.
Philipp summt die ganze Zeit „a little little little light is enough“ aus dem Song taboo.

 
Mittwoch, 20.2.2008

Am heutigen Tag treffen wir als kleine Delegation, bestehend aus Guido, Philipp, Mihyun und mir, den Ministerpräsidenten Moon-Soo Kim der GyeongGi-Do-Provinz, jenes Bundeslandes, das Seoul umschliesst. Wir fahren zum Kulturministerium in der Hauptstadt Suwon, von wo aus wir nach einem kurzen Zwischenstopp zum Präsidentenamtssitz gebracht werden.
Der Gouverneur ist sehr aufgeschlossen, ich überreiche ihm meine CD, deutschen Riessling und Haribo-Gummibärchen als Gastgeschenke, er schenkt uns schicke Krawatten. In dem ca. einstündigen Treffen spricht er über die Geschichte und die rasche wirtschaftliche Entwicklung Südkoreas in den letzten 20 Jahren, die Teilung des Landes und die freundschaftliche Verbindung zu Deutschland, woraufhin ich erkläre, dass ich mich als ein Botschafter zwischen beiden Kulturen erachte.
Zum Ende äußert Philipp die Bitte, dass unsere gesamte Gruppe die Grenze zwischen Nord- und Südkorea besuchen darf, was Herr Kim begrüßt, und er sagt zu, uns dies zu ermöglichen.
Nach einer Einladung zu einem leckeren koreanischen Mittagessen treffen wir am Kulturministerium den Rest der Band und fahren zusammen zum Keramikmuseum, wo wir durch das Haus geführt werden.
Im Anschluss erwartet mich im Starbuck’s im Hotel ein Interview mit der Tageszeitung Kyeong Hyang Daily News. Dort angekommen werde ich zunächst wieder fotografiert und dann von einer Koreanerin befragt, die zu unserem Erstaunen in der Lage ist, während sie schon die nächste Frage stellt gleichzeitig blind meine letzte Antwort in ihren Laptop einzutippen.
Danach besprechen wir in unserer Gruppe die Pläne der kommenden Tage.


Donnerstag, 21.2.2008

Heute bin ich von MBC-Radio in der Stadt Daegu zur Show „Golden Disc“ eingeladen. Wir fahren wieder in der kleinen Gruppe des Vortages, dieses Mal mit dem Schnellzug. Für die ca. 300 km brauchen wir nur anderthalb Stunden.
Die Sendung wird live ausgestrahlt. Obwohl der Moderator Dae Hee Lee, der schon seit 26 Jahren für den Sender arbeitet, eigentlich nur 20 Minuten für mich angesetzt hatte, dehnt er das Gespräch mit mir auf die gesamte Sendedauer aus, da er sowohl von meiner Musik als auch von unserem niveauvollen Gespräch begeistert ist. Auch die Reaktionen der Zuhörer im Chat zur Sendung sind über alle Maßen positiv, Lee spielt „colors“ und „taboo“ von der Platte, ein Radio-Kollege lobt Mihyuns Professionalität, und Philipp nutzt die Gelegenheit, on Air noch einmal auf unsere Konzerte am Freitag und Samstag in Seoul hinzuweisen.
Am Ende der Sendung spiele ich das Lied „baramgwa na“ („Der Wind und ich“) von Hahn Dae Soo, der anderen Nummer, mit der ich in den Internet-Videocharts Erfolge feierte, live in einer Medley-Version mit „light my fire“ von den „Doors“, da sich beide Songs auf den selben Harmoniefolgen aufbauen.
Guido bekommt Gänsehaut und meint, das wäre der absolute Hammer gewesen.
Nachdem die Sendung vorbei ist, übergeben wir dem Programmdirektor des Senders meine CD, da er in Zukunft meine Musik spielen möchte, und werden von Lee zum Mittagessen im gegenüberliegenden Restaurant eingeladen.
Als die dortigen Kellnerinnen erfahren, dass ich eine Art Star bin, brechen sie regelrecht in Begeisterungsstürme aus, woraufhin wir ihnen meine CD schenken und sie sich mehrmals mit mir und meiner Platte in ihren Händen fotografieren lassen.
In Seoul angekommen fahren wir ins Gebäude der Nachrichtenagentur Yeonhap News, wo ich im Studio zunächst alleine, dann zusammen mit der Band abgelichtet werde, um danach in einem Konferenzzimmer ca. 1 Stunde lang interviewt zu werden.
Am Abend kaufe ich in einem Kiosk die Korean Herald Business, in der ein Artikel über mich zusammen mit einem schönen Foto erschienen ist.
Die Überschrift lautet „Korea ist mein Schicksal“.


Freitag, 22.2.208

Von heute an begleitet uns für den Rest der Reise ein KBS-Fersehteam von der Sendung „Sa Mi In Gok“ („Das Lied von vier schönen Menschen“). Es hatten in der Zwischenzeit mehrere Fernsehteams bei Mihyun angefragt, unter anderem SBS, arirang TV und ein weiteres KBS-Team.
Das Team von Sa Mi In Gok will uns aber exklusiv filmen, um am kommenden Dienstag einen 20-Minuten-Bericht über mich und meine Erfahrungen in Korea zu bringen. Also erklärten wir uns damit einverstanden.
Auf dem Plan für heute steht ein Besuch der koreanisch-koreanischen Grenze. Wir fahren in einer Gruppe von insgesamt 13 Leuten im Wagen des Fernsehteams zunächst zum Tongil Tower, dem grenznah auf einem Berg gelegenen „Turm für Vereinigung“. Als wir dort ankommen, werden wir stürmisch von einer Gruppe koreanischer Schüler begrüßt, für die ich spontan „ani beolsseo“ spiele, was von ihnen mit großer Freude aufgenommen wird.
Vom Dach des Zentrums aus blicken wir über den Han Fluß nach Nordkorea hinüber, und wir singen vor laufenden Kameras das Lied „urieui soweoneun tongil“ („Unser Wunsch ist Wiedervereinigung“).
Im Check-Point für Reisende von Süd- nach Nordkorea, den wir im Anschluss besuchen, bekommen wir eine kleine Führung durchs Gebäude und ein Mittagessen und fahren dann weiter ins DMZ - der demilitarisierten Zone - zum „Dritten Tunnel“, jenem unterirdischen Gang, von dem die Amerikaner behaupten, er wäre von nordkoreanischen Truppen gegraben worden, um Südkorea angreifen zu können. Ein Film stellt uns das DMZ als ein Paradies neuer Vegetations- und Lebensformen vor, da über die letzten 50 Jahre hinweg  kaum Menschen diese Zone betreten haben und sich dadurch die Natur ungehindert weiterentwickeln konnte. Zum Abschluss werden wir zum Grenzübergang geleitet, wo ich „anyeong“ und „salsa“ (Hallo und Gute Nacht) nach Nordkorea hinüberrufe.
Zurück in Seoul habe ich wieder einen Inteviewtermin. Ich spreche mit einer sehr amerikanisch auftretenden Redakteurin der Joong Ang Ilbo, einer der drei großen Tageszeitungen des Landes. Diesmal geht das Gespräch stärker ins Politische, ich ziehe Bezüge zwischen der deutschen Geschichte und der Perspektive für Korea und werde gefragt, wie eine Wiedervereinigung Koreas aussehen könnte und aufgeklärt, dass viele junge Südkoreaner einer solchen eher skeptisch gegenüberstehen.
Es folgt ein Termin mit der Plattenfirma Pastellmusic in der Nähe des FF Club, wo wir heute Abend noch einmal spielen werden.
Der Club ist gut gefüllt, die anderen Bands sind laut, die Stimmung ist feierlich. Um halb eins gehen wir auf die Bühne. Wir spielen ein etwas rockigeres Set, die Leute singen mit und feiern ausgelassen. Als wir „tongil“ auf Wunsch von KBS spielen, liegen sich die Menschen  in den Armen, und wir verlassen die Bühne unter tosendem Applaus.
Guido ist sehr zufrieden, Philipp ist über alle Maßen beeindruckt, das TV-Team und der Fotograf vom Spiegel ebenso.
Von nun an singt Philipp nicht nur „a little light“, sondern auch „yea yea yea“ rund um die Uhr.

 
Samstag, 23.2.2008

Der Tag beginnt mit einem Aufnahmetermin auf dem Hotelzimmer. Unser KBS-Team filmt Mihyun, Guido und mich bei der Besprechung unserer Pläne, ich singe vier verschiedene koreanische Lieder für die Kamera an, Guido erläutert seine Überzeugung zu meiner Musik und die Gründe unserer Reise nach Korea, und Mihyun wird beim Telefonieren gefilmt.
Schliesslich rufe ich vor laufender Kamera Hahn Dae Soo an, den Autor und Sänger des Liedes „baramgwa na“, um mich mit ihm für ein gemeinsames Treffen zu verabreden.
Der Mann ist einer der wichtigsten Figuren der jüngeren koreanischen Musikgeschichte, Programmdirektor Roh meint, er sei ein „Gott“.
Hahn ist schon sechzig Jahre alt, wohnt in einer Wohnung zusammen mit seiner Frau und seiner frisch geborenen Tochter. Als wir dort ankommen, wird bei ihm gerade seine nächste Sendung „Golden Goodies“ für arirang Radio aufgezeichnet. Unser Treffen ist sehr herzlich, Hahn spricht ein perfektes Englisch, da er lange Zeit in New York lebte, wodurch wir uns sehr gut unter Kollegen auf Augenhöhe unterhalten können.
Ich singe ihm mit Gitarre meinen Song „treasure“ vor und sein Lied „baramgwa na“, das er leise gesanglich begleitet. Wir reden über die Wandelung des Musikmarktes, erzählen uns unsere Geschichten und unsere Methoden, einen Song und den passenden Text zu schreiben, und er schlägt vor, doch einmal gemeinsam ein großes Konzert zu spielen, was Guido später auf die Idee kommen lässt, dass ich zusammen mit Hahn dessen Song „baramgwa na“ neu aufnehme, um ihn dann in Korea und Deutschland zu veröffentlichen.
Wir verabschieden uns freundschaftlich voneinander, und wir fahren weiter zum DGBD’s, wo die anderen bereits beim Soundcheck sind, gefolgt von einem Interview mit KBS world Radio.
Eine Stunde später stehen wir auf der Bühne und spielen das wohl beste Konzert unserer Koreareise, bestehend aus 14 eigenen Nummern plus „ani beolsseo“, „baramgwa na“ und „tongil“. Das Publikum hüpft und klatscht mit und feiert die koreanischen Lieder im Programm, „colors“ erweist sich einmal mehr als der perfekte Live-Song, da alle den Refrain mitsingen, und bei „now i know“ tanzt selbst Guido quer über die ganze Tanzfläche.
Später gehen wir alle zusammen in die Karaoke-Bar, wo sich Guido und Philipp von uns verabschieden, da sie am nächsten Tag früh wieder zurückfliegen.


Sonntag, 24.2.2008

Das KBS-Team hat für heute ein Open-Air-Konzert im Samzie Market am Insadong organisiert. Zu diesem Zweck haben Sie dort Plakate aufgestellt und Gitarrenverstärker und Gesangsanlage herbeigeschafft.
Als ich am Ort des Geschehens ankomme, werde ich von etlichen Leuten belagert, die sich mit mir fotografieren lassen, schon bevor mein Auftritt begonnen hat. Ich spiele zunächst solo, dann zusammen mit Clemens sowohl die koreanischen Lieder als auch ein paar eigene. Bei „colors“ gelingt es wieder, dass die Menschen „yea yea yea“ mitsingen, bei „ani beolsseo“  singen wir im Wechsel „Oh oh“ und „ah ah“.
Das Konzert verfolgen hunderte Koreaner auf vier Etagen, der Anblick ist fantastisch, das TV filmt alles mit, und im Anschluss verkaufen Stephan und Michael meine CDs, während Clemens und ich unzählige Autogramme geben dürfen.
Das hätten Guido und Philipp erleben müssen.


Montag, 25.2.2008

Wegen eines letzten Treffens mit KBS stehen Mihyun und ich um sechs auf, um noch ein paar Interviewpassagen ins Koreanische zu übersetzen. Das Material, das ich zu sehen bekomme, sieht sehr anständig aus, was mir einmal mehr bestätigt, wie hervorragend und gründlich Koreaner arbeiten.
Kurz vor unserer Abreise kommt noch einmal Sungkyu vorbei, um sich von der ganzen Gruppe zu verabschieden und das Stage Piano abzuholen, bevor wir mit einem Jumbo-Taxi zum Flughafen fahren, von dem aus ich Hahn Dae Soo anrufe, um mich von ihm zu verabschieden und ihm Guidos Idee zu unterbreiten, sich wieder zu treffen und „baramgwa na“ gemeinsam aufzunehmen. Er findet das „great“ und kündigt an, dass seine nächste Sendung auf arirang Radio ein Max Koffler Special sein wird.

Nach einem ruhigen Flug landen wir wieder in Deutschland.
Korea, ich komme bald wieder.

© 2008 mk -> impressum